2021

Beobachtungsbericht vom 4. April 2021

Schon am Vormittag schrieben ein paar Vereinskollegen, daß sie heute auf´s Hochbärneck fahren würden. Leider war es mir nicht möglich, rauf zu fahren, weil ein Stoßdämpfer meines Autos kaputt war und in Theresas Auto würde ich weder mein langes Stativ, noch alles andere, was ich so zum Beobachten brauche, hineinbringen. Und so beschloß ich, zu Hause zu beobachten.

Der Wind, der uns am Nachmittag noch kräftig um die Ohren geblasen hatte, legte sich zum Glück. Hätte der Wind nicht nachgelassen, hätte ich nur mit dem Feldstecher beobachtet. Ich hatte ohnehin vor, mehr mit dem 38mm Okular zu beobachten, um
z. B . die Plejaden in voller Pracht betrachten zu können.

Gegen 18 Uhr stellte ich mein Teleskop in den Garten und wartete darauf, daß es dunkel genug war, um die Beobachtung beginnen zu können.

Kurz vor 8, ich war gerade auf der Terrasse, fiel mir Sirius auf. Da beschloß ich, eine Aktion, zu der Gottfried voriges Jahr aufrief, Zeiten zum erscheinen der Sterne zu notieren, zu wiederholen.

Ich schnappte meinen Feldstecher und ging runter in den Garten. Um 20 Uhr 10 konnte ich das gesamte Wintersechseck erkennen, zwei Minuten später die Gürtelsterne. Noch eine Minute später Sahip und Bellatrix, womit Orion komplett war und eine weitere Minute später Regulus, Polaris, den Großen Wagen und um
20 Uhr 15 Arktur im Bootes.

Dazwischen dachte ich, die ISS am Osthorizont zu sehen, aber Stellarium und verschiedene Webseiten sagten mir, daß sie
10 Minuten früher, als ich sie gesehen hab, im Osten verschwunden sei. Also um 5 nach 8, nicht erst um Viertel nach.

Mit dem Feldstecher konnte ich nun auch schon die Plejaden erkennen und wenn ich genauer hinsah, auch schon mit freiem Auge. Auch die Hyaden zeigten sich bereits, mit Aldebaran als rotes Auge.

Fast zwischen den beiden Sternhaufen machte mich nun ein Asterismus neugierig, auf das mich Max vor Kurzem aufmerksam gemacht hatte. Davids Hund, das im Gesamtbild ein wenig an den Großen Hund erinnert.

Natürlich hab ich mich gefragt, warum der ausgerechnet Davids Hund heißt und bin auf folgendes gestoßen. Wenn man etwas über die mythologische Personifizierung der Sonne nachlesen will, stößt man auf Mithras, eine alte Gottheit, die die Römer von den Persern übernommen haben.

Eine Darstellung dieser Gottheit zeigt, wie er einen Stier tötet. Wenn man das auf die aktuellen Sternbilder überträgt, stellt das Sternbild Stier, nona, den Stier dar und Perseus, Mithras. Mithras stößt dem Stier an der Stelle einen Dolch in die Schulter, wo am Himmel die Plejaden stehen und auf vielen dieser Darstellungen, ist auch ein Hund zu sehen. Gebt Mithras im Google ein und ihr findet genug Bilder, die euch das zeigen.

Davids Hund ist zwar nicht an der Stelle am Himmel, wo er auf den Darstellungen zu sehen ist, aber immerhin, es gibt einen. Weiter in meiner Theorie, heißt ein US-amerikanische Mithrasforscher, der die Tauroktonie, wie der moderne Name der Stiertötung lautet, astronomisch deutet, ausgerechnet David Ulansey. Naja, und wenn ihm zu Ehren nun jemand ein Asterismus, daß sich im Stier befindet und welches einen Hund darstellt, Davids Hund nennt, ist das meiner Meinung nach, nicht so abwegig. Aber ich schweife ab.

Nun, im Feldstecher betrachtet, konnte ich den gesamten Hund erkennen, mit dem 38mm Okular mußte ich aber schon etwas herumschwenken, um Davids Doc, so im Original, zu sehen. Davids Hund wird auf jeden Fall ein Objekt sein, daß ich wieder mal besuchen werde.
Nach dem Hund machten mich noch zwei weitere Objekte im Stier neugierig. Auch sie waren ein paar Wochen vorher Gesprächsthema zwischen Max und mir. Das eine war NGC 1647, ein offener Sternhaufen, der sich ein Stück vor den Hyaden befindet. Im 38mm Okular zeigte sich da ein schönes Schmuckkästchen.

Noch ein Stück vor den Hyaden, in Richtung der Hörner des Stiers befindet sich NGC 1746, ein weiterer offener Sternhaufen, der aber als Asterismus gilt, da die Ansammlung der Sterne, nicht wie bei einem Sternhaufen üblich, gemeinsam entstanden sind, sondern, in verschiedenen Entfernungen, zufällig, von uns aus, in gleicher Richtung stehen, wie visuelle Doppelsterne, die ja auch nicht einander umkreisen.

Jetzt erst fiel mir ein rotes Objekt, etwas außerhalb von NGC 1746 auf, daß so gar nicht hier hingehört. Als ich das letzte Mal von ihm gelesen hab, war er im Goldenen Tor der Ekliptik unterwegs. Das war Anfang März, wenn ich nicht irre. Mars, der vorigen Oktober in Opposition zur Sonne stand, krebst also immer noch in der ersten Nachthälfte herum. Ein schöner Anblick war er aber nicht mehr.

Nun machte mich M 1, der Überrest einer Supernovaexplosion, beim linken Horn des Stier neugierig. Als ich mit dem 38mm Okular da so herumschwenkte, fiel mir aber eine Sternansammlung, etwas südöstlich der Hörner auf. Cr 65 ist eine kleine Anhäufung von Sternen verschiedener Helligkeit, die aber noch zum nördlichen Orion gehört, hart an der Grenze zum Stier.

Nun aber zu M 1. Ich dachte, wenn ich Zeta Taurus anvisiere, sollte ich mit etwas herumschwenken auch den planetarischen Nebel im Blickfeld haben. Hatte ich auch. Und er war der Grund, daß ich das erste Mal das Okular wechselte. Im 13mm Okular kam er echt gut rüber.

Damit schwenkte ich auch nochmal zurück zum roten Planeten, der aber auch größer kein Hingucker mehr war.

Nun wollte ich aber noch rasch M 42, den Orionnebel einen Besuch abstatten und da packte mich der Ehrgeiz. Das Seeing war nämlich gar nicht so schlecht. Das bekommt diesmal eine 1 Minus, das ganze bei Anfangs 0, später -2 Grad und bei fast Windstille. Auf die Grenzgröße hatte ich aber nicht geachtet.

M 42 stand schon ziemlich tief und drohte schon hinter dem Hausdach zu verschwinden, dennoch wollte ich mir nicht nur das gesamte Schwertgehängte, welches sich aus den Gasnebeln M 42,
M 43 und NGC 1977, dem Running Man, sowie aus den beiden offenen Sternhaufen NGC 1981 und NGC 1980 und außerdem ein paar kleinen Reflexionsnebel zusammensetzt im 38mm Okular vom Himmel holen, sondern mein Ehrgeiz verlangte nach den Komponenten E und F im Trapez des Orionnebel. Aber leider stand er schon zu tief und so konnte ich selbst im 8mm Okular weder den einen, noch den anderen, wenigstens aufblitzen sehen. Das Flimmern der aufsteigenden Wärme über dem Hausdach machte die Situation auch nicht leichter.

Genug in den Winterbildern herumgewandert. Zeit mal zu schaun, was sich im Frühling tut. Ich machte nun wieder mit dem 38mm Okular weiter. Der Krebs hatte den Meridian bereits überschritten und in dem bot sich natürlich M 44, die Krippe an. Die ist immer wieder ein Hingucker. Zu wenig beachte ich hingegen den Zweiten offenen Sternhaufen, M 67, der in der linken Schere des Krustentiers zu finden ist. Auch hier findet sich eine schmucke Ansammlung von Sternen.

Noch nicht über der Mittagslinie war Leo, der Löwe. Hier steuerte ich gleich mal das Triplett, im hinteren Bereich der Raubkatze an. Die holte ich mir natürlich auch größer rein, aber weiter als bis auf 13mm oder etwas mehr als 90 fache Vergrößerung ging ich auch hier nicht. Fahl fielen mir die Lichter von den Galaxien M 65, M 66 und NGC 3384 ins Okular. Im Bauchbereich der Katze suchte ich mir M 95, M 96, M 105 und NGC 3384, sowie etwas nordöstlich davon, NGC 3412.

NGC 3227, eine weitere Galaxie, etwas östlich von Algieba, dem Halsstern vom Löwen, war zwar nicht so erleuchtend, aber ich konnte sie erkennen. Natürlich nahm ich auch Algieba oder Jota Leo, auf´s Korn. Algieba ist ein schöner Doppelstern, dessen Komponente zwar unterschiedlich hell, aber beide gelb leuchten. Zwischen Algieba und Adhafera, oder Zeta Leo, suchte ich mir  
 NGC 3193 und NGC 3190, die zwei helleren des Leo Quartett.

Für den Abschluß holte ich mir noch NGC 2903, an der Nasenspitze des Löwen vom Himmel.

Damit hatte ich genug für´s Erste und ich schloß ich die Beobachtung kurz vor halb 11.

Beobachtet hab ich mit meinem 4 ½ Zoll Refraktor und meinem 10×50 Nikon Feldstecher.

Den Sternen näher im Ötscherland

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