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Außenstation Au 60 A-4351 Saxen

Die Sternwarte Au 60 in Saxen, OÖ

Den meisten Leuten, die sich mit der Astronomie beschäftigen und ein Teleskop erwerben geht irgendwann einmal der Gedanke nach einer eigenen Sternwarte durch den Kopf. Auch bei mir war es nicht anders, schon in meiner Jugend träumte ich davon, und besorgte mir für dieses Vorhaben das Buch von Anton Staus: "Fernrohrmontierungen und ihre Schutzbauten". Das aber bis zur Verwirklichung meines Traumes noch über 20 Jahre vergehen würden, mit dem hatte ich nicht gerechnet. Im Winter und Frühjahr 2002 wurde dann aber das Projekt Sternwarte in Angriff genommen und ich begann mit der Planung.

Folgende Punkte musste ich aber vorher abklären:

1.) Standort im Garten (Baugenehmigung)

2.) Beobachtungsziele und damit Instrumentenwahl

3.) Größe und Ausführung des Schutzbaues (Es sollte womöglich alles in Eigenregie und mit geringem finanziellen Aufwand bewerkstelligt werden.)

Zu Punkt 1.)

Die Lage der Sternwarte wurde im großen und ganzen von meiner Frau vorgegeben um noch eine sinnvolle Gartengestaltung vornehmen zu können. Als Gegenleistung kümmerte sie sich um die Baugenehmigung, als zuständige Person für das Bauwesen am Gemeindeamt. Laut Bauvorschriften schied ein Kuppelbau von vornherein aus, sodass mir nur die Wahl zwischen Klappdach- oder Schiebedachhütte blieb.

Ich entschied mich für das Schiebedach.

zu Punkt 2.)

Durch meinen Standort in einer Neubausiedlung schied extreme Deep-Sky Beobachtung aus. Meine Interessen lagen aber hauptsächlich im Bereich innerhalb des Sonnensystem in der Mond- und Planetenbeobachtung.

Mit dem Erwerb eines Bresser Pulsar 120/1000 mm Refraktor zum Refraktorfan geworden, stand fest, es musste ein großer Refraktor werden! Als Instrumente wurde dann ein 8" f 9 TMB-Achromat mit 6" Bresser Phoenix als Leitrohr sowie einem 80 mm Sucher festgelegt. Das Ganze sollte dann auf einer Selbstbaumontierung Platz und Halt finden.

Mittlerweile dienen ein 6" Zoll Bresser Messier R152 als Großfeldgerät, ein 107mm Super APO als Astrograph sowie ein 90/900mm FH-Refraktor als Leitrohr mit dem 8" TMB-FH auf der Selbstbaumontierung. Die Ausrüstung wiegt derzeit gut 60kg. Die Montierung wurde mit Antrieben von Richard Gierlinger versehen und zur Steuerung des Teleskopes dient eine FS2 von Koch. Als Guidecam kommt eine Meade DSI Pro zum Einsatz und als Aufnahmekamera versieht eine Canon 300D sowie eine Atik 314L ihren Dienst.

Für den mobilen Einsatz und für Fahrten auf die Sternwarte Hochbärneck kommt ein 80/600 ED-APO zum Einsatz.

Zu Punkt 3.)

Das Schiebdachhütte sollte bzw. musste in Eigenleistung und mit üblichen Handwerkermitteln zu errichten sein. Der finanzielle Rahmen sollte dabei auch nicht gesprengt werden, was mir auch gelang mit ca. 1.000 Euro Baukosten.

Ich entschied mich für die Ausmasse von 2,5 x 2,5 m, ein wenig knapp für einen 8" Refraktor, aber durch eine bestimmte Parkpositon des Instruments ist das kein Problem. Die Größe ist ausreichend für 1-2 Beobachter, darüber wird es aber sehr schnell eng!

Baubeginn:

Im Mai 2002 wurde dann mit dem Fundamentarbeiten begonnen. Die Sternwarte sollte auf 6 Punktfundamenten mit 25 x 30 cm ruhen, wovon 2 Stück für die Auslegerstützen vorgesehen waren. Gleichzeitig sollte auch die Säule für die Montierung mitbetoniert werden.

Durch die Hanglage des Standortes musste aber zuerst eine ebene Fläche mit ca. 4 x 8m in den Hang gegraben werden. Durch wochenlange Trockenzeit eine richtige Knochenarbeit mit Spitzhacke und Schaufel.

Als nächster Schritt kam das setzen und betonieren der Punktfundamente und der Säulen aus Stahlbeton mit 20 cm Durchmesser.

Danach war das Besorgen des Bauholzes eine richtige entspannende Arbeit.

Für das Rohgerüst und den Dachschlitten wurden 10 x 10 cm Kanthölzer veranschlagt. Für die Außenwände 21 mm starke Nut- und Federbretter, für den Dachstuhl 8 x 5 cm Kantholz und 16 mm Nut- und Federbretter. Für den Fußboden wurden 5 cm Starke Pfosten geordert. Diese Sachen besorgte ich mir günstig als 5 m Ware bei einem Sägewerk. Mit Tischkreissäge, Motorsäge und Stichsäge wurde es dann entsprechend zugeschnitten und verbaut.

Im Baumarkt besorgte ich mir die nötigen Schrauben und Verbindungswinkel, Laufrollen und Schienen, Beschläge und anderen Kleinkram. Das Grundgerüst wurde mit den Fundamenten verschraubt und eine Lage Teerpappe zwischen Fußbodengerüst und Fundamente eingebracht um einen Feuchtigkeitsaufstieg zu vermeiden.

Sämtliche Bauelemente wurden verschraubt um einen leichten schadenfreien Abbau jederzeit zu ermöglichen.

Das Grundgerüst wurde darauf mit Holzschutzmittel gestrichen und nach Austrocknung mit 21 mm Nut- und Federbretter verbrettert. Auf den Auslegehalterungen wurden dann U-Schienen als Laufbahnen montiert in dem die Rollen des Dachstuhles laufen. Zum Aufsetzen des Dachschlittens brauchte ich dann erstmals Hilfe von zwei befreundeten Nachbarn. Nach 15 Minuten war auch das erledigt.

Der Dachstuhl ging dann wieder von alleine, ich achtete von vornherein auf ein geringes Gewicht der einzelnen Elemente. Die Verbretterung des Dachstuhles wurde mit 16 mm Nut- und Federbrettern vorgenommen und als Dachdeckung abschließend Teerpappe verwendet. Teerpappe läßt sich leicht reparierten, ist nicht teuer und bietet hervorragenden Regenschutz! Später wurde die Dachpappe durch Bitumenschindeln ersetzt um die Sternwarte optisch ein wenig zu verbessern.

Die Heckklappe und die Tür wurden aus übriggebliebenen Schalungstafeln einfach ausgeschnitten, gestrichen und mit normalen Zauntürbeschlägen an der Sternwarte montiert.

Gegen Ende der Bauphase wurden dann schon sogenannte Probebeobachtungen mit einem 60mm Refraktor vorgenommen, der schon in der Sternwarte verblieb und nicht mehr hin- und hergeschleppt werden musste. Zeitgleich zum Bau der Sternwarte arbeitete ich auch an meiner Selbstbaumontierung die kurze Zeit später fertiggestellt wurde. Das Befestigen der Montierung mit ihrem über 140 kg Eigengewicht war dann nochmals ein regelrechter Kraftakt.

Beim Hochheben und Einsetzen in die Polhöhenwiege ging uns im wahrsten Sinne des Wortes beinahe die Luft aus. Gott sei Dank klappte es mit Hilfe von meinen zwei Freunden dann doch noch.

Als Fazit möchte ich betonen, dass sich der Bau auf alle Fälle gelohnt hat. Lästiges Auf- und Abbauen der Ausrüstung entfällt. Das Fernrohr ist jederzeit einsatzbereit. Die Sternwarte bietet einen gewissen Windschutz bei der Beobachtung, schirmt Streulicht ab und gestattet trotzdem noch einen passablen Ausblick auf den Sternenhimmel mit freiem Auge.

Ich möchte Sie nicht mehr missen!

Josef Büchsenmeister

josef.romana@aon.at


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